Selbstlektorat – 5 Tipps

Ein fertiges Buchmanuskript ist ein großer Grund zum Feiern! Sie haben jede Menge Zeit und Nerven investiert, Zweifel überwunden und vieles mehr. Nun ist Ihre Geschichte auf Papier (bzw. Ihrer Festplatte) verewigt. Herzlichen Glückwunsch! Genießen Sie diesen Erfolg und seien Sie stolz auf sich!

Danach ist es Zeit, Ihr Buch der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dabei spielt es keine Rolle, ob Testleser, Literaturagenten oder Lektoren Ihr Manuskript lesen. Wichtig ist der Blick von außen, bevor Ihr Buch auf dem Markt erscheint. Um diesen Schritt möglichst effektiv zu planen, steht das Selbstlektorat an.

1. Pause machen

Sicherlich können Sie es kaum erwarten, Ihr Buch endlich zu veröffentlichen. Doch Erfolg haben nur gute Geschichten, die reifen konnten. Geben Sie sich und Ihrem Manuskript daher Zeit. Wenn Sie Ihr Buch mit etwas Distanz lesen, spüren Sie Schwachstellen, ungenaue Formulierungen oder überflüssige Szenen auf, die Sie dann verbessern können.

Wie lange Sie Ihr Manuskript liegen lassen, bleibt Ihnen überlassen. Es gibt Autoren, die ein halbes Jahr Pause einlegen und sich währenddessen mit dem nächsten Buch beschäftigen. So lang muss es natürlich nicht sein. Wenigstens zwei Wochen wären meiner Meinung nach aber gut, in denen Sie wieder andere Dinge machen und so einen frischen Blick bekommen. Danach lesen Sie Ihr Manuskript mit ganz anderen Augen.

2. Laut vorlesen

Nach dieser Pause sollten Sie Ihre Geschichte unbedingt laut vorlesen. Das benötigt nämlich mehr Zeit. So finden Sie Tippfehler, Buchstabendreher oder falsch gesetzte Kommas. Außerdem hören Sie, wo der Text holpert oder eine Formulierung komisch klingt. Diese Stellen können Sie direkt verbessern und minimieren zugleich den Aufwand für das Korrektorat und Lektorat.

3. Passiv in Aktiv ändern

Wer ständig im Passiv schreibt, langweilt seine Leser und bremst die Handlung. Das liegt  an den längeren Sätzen, weil die Verben mit „werden“ oder „sein“ gebildet werden. Dadurch wird der Text komplizierter und das Lesevergnügen sinkt. Ob Behördenschreiben mit Absicht so formuliert sind? 😉

Tobias wurde von den Wellen fortgespült. – Die Wellen spülten Tobias fort.

Ulrike ist von Hans betrogen worden. – Hans hat Ulrike betrogen.

Der jeweils zweite Satz beinhaltet deutlich mehr Dynamik als der erste. Der Handelnde (Agens) ist nämlich das Subjekt, während im Passiv der Agens lediglich im Hintergrund oder gar nicht auftritt. Die aktive Handlung reißt die Leser mit und Ihre Geschichte gewinnt an Spannung.

Überprüfen Sie daher Ihr Manuskript nach überflüssigen Passivkonstruktionen. Sie machen Ihren Text sperrig und schwer verständlich. Wenn möglich, ändern Sie den Satz unbedingt ins Aktiv.

3. „Sehr“ konkretisieren

Enthält ein Text zu oft „sehr“, wirkt er beliebig und ungenau. Leser möchten aber Ihre Figuren und Handlungsorte konkret vor Augen haben. Das macht die Geschichte lebendiger und bunter.

Helga war sehr müde. – Helga war erschöpft.

Das Büro war sehr schön eingerichtet. – Das Büro war stilvoll eingerichtet.

Tun Sie also sich und Ihren Lesern einen Gefallen und ersetzen „sehr“ durch genaue und einprägsamere Beschreibungen!

4. Füllwörter entfernen

Diese kleinen Biester verstecken sich oft hartnäckig, blähen einen Text aber unnötig auf und nehmen ihm so die Würze. Wenn Sie Ihren Text nach einer ausreichend langen Pause lesen, überprüfen Sie daher jedes Wort nach seiner Existenzberechtigung. Satz für Satz. Ich verspreche Ihnen, dass sich diese Mühe lohnt!

Machen Sie einen Suchlauf durch Ihr Manuskript z. B. nach

sehr (s. Tipp 3), eigentlich, ja, mal, nun, schon, halt, wieder, aber, also, auch, nämlich

und prüfen Sie, ob diese Wörter ersatzlos gestrichen werden können. Das wird nicht überall der Fall sein. Aber wo immer es geht, löschen Sie. Das schließt selbstverständlich auch überflüssige Adjektive mit ein!

Denken Sie dabei auch an Ihre Lieblingswörter! Jeder Autor hat bestimmte Formulierungen oder einzelne Wörter, die er besonders häufig benutzt. Streichen oder ändern Sie diese nach Möglichkeit.

5. Tempus vereinheitlichen

Oft stolpere ich beim Lektorat über unpassende Tempuswechsel. Hatte die Autorin sich zuerst für das Präteritum entschieden, fegt der Protagonist plötzlich im Präsens durch die Geschichte. Das verwirrt die Leser und vermindert die Verständlichkeit.

„Ich muss los!“, rief Patrizia. Als sie die Treppe heruntergeht, stolperte sie über den losen Schnürsenkel.

Direkte Rede findet fast immer im Präsens statt, das Tempus für die Handlung bestimmen Sie (meist Präteritum oder Präsens). Wenn Sie sich für eine Zeitform entschieden haben, verwenden Sie diese einheitlich und weichen nur an passenden Stellen davon ab.

Wie geht es weiter?

Nach dem ersten Korrekturdurchgang freuen sich Testleser oder Lektoren auf Ihr gut vorbereitetes Manuskript. Seien Sie offen für konstruktive Kritik. Ihre Geschichte gewinnt an Qualität und Sie lernen dazu. So werden Sie von Buch zu Buch besser!

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