Quelle catastrophe, ein Apostroph!

Diesen Gedanken hat wohl jeder Sprachexperte schon einmal gehabt, weil ein Apostroph selten richtig gesetzt wird. Das führt teilweise zu unglaublichen Schreibweisen, daher wird das Zeichen auch liebevoll „Deppenapostroph“ genannt.

Wie ist es also richtig?

Ein Apostroph ist notwendig, wenn in einem Wort ein Buchstabe oder auch mehrere ausgelassen werden:

Ku´damm, M´gladbach, D´dorf

Auch wenn das Wort ohne Apostroph schwer lesbar oder missverständlich ist, muss es gesetzt werden:

´s ist spät geworden.

Mit wen´gen Handgriffen

Genitiv

Beim Genitiv ist der Apostroph nur in wenigen Fällen notwendig. Endet ein Name mit einem Zischlaut wie s, ss, ß, tz, x, z, wird ein Apostroph angehängt. Das gilt auch bei fremdsprachigen Namen, die phonetisch auf einem Zischlaut enden, aber anders geschrieben werden:

Klaus´ Klavierwerkstatt

Marx´ Kommunismus

Joyce´ Ulysses

Alice´ Berufswunsch

Der Apostroph entfällt, wenn ein Possessivpronomen, ein Artikel o. Ä. vorhanden sind:

Die Lehren des Aristoteles

Die Schuhe meines Sohnes Max

Bei allen anderen Namen wird im Genitiv ein -s angehängt, aber ohne Apostroph!

Ursulas Heckenschere, Pauls Zaubertricks

Der Duden erlaubt inzwischen den Apostroph auch bei Personennamen, wenn die Grundform verdeutlicht werden soll. Das ist aber nur bei einem Gewerbe erlaubt. Diese Ausnahme stiftet jedoch eher Verwirrung, weil die bisherigen Regeln solche Fälle bereits eindeutig regelten:

Andreas Bücherecke gehört Andrea

Andreas´ Bücherecke gehört Andreas

Andrea´s Bücherecke ist aber inzwischen auch möglich

Beim Genitiv wird also entweder ein -s angehängt oder ein Apostroph, aber niemals beides! Wer besonders bei den Zischlaut-Enden auf den Apostroph verzichten möchte, darf statt des Genitivs eine Präpositionalgruppe mit von gebrauchen:

Die Schultasche von Jonas

Der Bahnhof von Bordeaux

Imperativ

Beim Imperativ wird kein Apostroph gesetzt. Entweder wählt man die vornehme Form

Gehe zur Tür!

Reiche mir das Telefon!

oder die alltagssprachliche

Lauf schnell nach Hause!

Lass mich in Ruhe!

Abkürzungen

Treffen Präposition und bestimmter Artikel zusammen, wird kein Apostroph gesetzt.

Vorm Haus (Vor dem Haus)

Aufs Fahrrad (Auf das Fahrrad)

Fürn Urlaub (Für den Urlaub)

Plural

Beim Plural wird nie ein Apostroph verwendet. Das gilt auch bei Abkürzungen.

E-Mails, Autos, CDs, Tees

Apostroph beim Pronomen „es“ und unbestimmten Artikel „ein“

Hier sind beide Varianten möglich.

Nimms mit!

Wie gehts, wie stehts?

Mach´s gründlich!

Wenn´s weiter nichts ist.

Was für ´n Blödsinn!

Haste mal ´n Euro?

Das war ne gute Zusammenfassung.

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