Komma her!

Statt trockene Kommaregeln aufzuführen, die für jedermann im DUDEN zu finden sind, plaudere ich ein wenig aus dem Alltag einer Lektorin. Leider wird das Komma oft nach Gefühl gesetzt, was ich aufgrund der teilweise schwammigen Vorgaben ein klein wenig verstehen kann. Aber was falsch ist, ist eben falsch. Daher folgt eine unvollständige Liste der häufigsten Kommafehler.

1. Hauptsatz, Nebensatz, Einschub

Das Komma unterteilt lange Sätze, damit die Verständlichkeit und der Lesefluss erhalten bleiben. Diese Funktion wird allerdings oft überstrapaziert, was zu teilweise kuriosen Satzstückelungen führt. Sofern es sich nicht um eine Aufzählung handelt, ist nur nach kompletten Satzteilen ein Komma notwendig. (Kleiner Tipp: Ein Satzteil beinhaltet wenigstens ein Subjekt und ein Prädikat!)

Die Musik war sehr laut, Regine tanzte wild dazu. (Hier trennt das Komma zwei Hauptsätze.)

Ich denke, dass du besser aufpassen solltest. (Der Klassiker: Hauptsatz und Nebensatz)

Das Parfüm, das Annemie benutzt, riecht fürchterlich. (In einen Hauptsatz eingeschobener Relativsatz)

Wenn Sie unsicher sind, ob Sie ein Komma setzen müssen oder nicht, suchen Sie das Prädikat. Dann passiert Ihnen auch nicht der folgende Fehler.

Mit Nachdruck, fordere ich Sie auf, das Gelände zu verlassen. (Das erste Komma ist falsch.)

2. Infinitivgruppen

Steht vor dem Verb im Infinitiv das Wort „zu“, handelt es sich um eine Infinitivgruppe. Sie wird mit einem Komma abgetrennt.

Hans konnte nichts tun, außer zu warten.

Marie kaufte Mehl, um einen Kuchen zu backen.

Paul startete einen weiteren Versuch, die Waschmaschine zu reparieren.

Valerie war dafür, sofort nach Hause zu fahren.

Zum Strand zu fahren, das war ihr Ziel.

Ist der Infinitiv nicht mit einem Einleitewort oder einer näheren Bestimmung verbunden, darf das Komma auch weggelassen werden. Allerdings nur, wenn dadurch keine Missverständnisse entstehen.

Gertrud befahl Volker sofort, nach Hause zu fahren.

Gertrud befahl Volker, sofort nach Hause zu fahren.

Weil hier das Komma trotzdem gesetzt werden kann, sollten Sie sich im Zweifel dafür entscheiden.

3. Relativsätze

Sie erkennt man an dem Relativpronomen „der, die, das, deren, dessen, welche …“. Es steht in Relation (Beziehung) zu einem vorhergehenden Substantiv. Vor einen Relativsatz wird immer ein Komma gesetzt. Den Missbrauch können Sie häufig auf Werbeplakaten finden (z. B. „Glaube nur was du siehst“, so eine Restaurantkette für frisch geschmierte Sandwiches).

Meine Nachbarin, die jeden Morgen im Garten jodelt, ist glücklicherweise für drei Wochen verreist.

Das Paket, welches ich gestern bekam, ist leer gewesen.

4. Aufzählung von Adjektiven

Wenn die aufgezählten Adjektive vor einem Substantiv gleich wichtig sind, wird zwischen ihnen ein Komma gesetzt. Das ist der Fall, wenn man sie mit „und“ verbinden oder auch tauschen kann, ohne dass sich der Sinn verändert.

Gundula bewunderte die hohen, dunklen Türme. (Gundula bewunderte die dunklen und hohen Türme.)

David trug sein frisch gebügeltes, kariertes Hemd. (David trug sein kariertes und frisch gebügeltes Hemd.)

5. Sowie

Keine Ahnung, wie viele Kommas ich schon bei Aufzählungen vor der Konjunktion „sowie“ gelöscht habe. Es scheint ein weit verbreiteter Irrglaube zu sein, hier ein Komma einzufügen. Das liegt wahrscheinlich an den beiden unterschiedlichen Bedeutungen des kleinen Wortes.

Wenn ein Ereignis unmittelbar nach einem anderen folgt, wird vor „sowie“ ein Komma gesetzt. Hier folgt nämlich ein Nebensatz. Bei einer Aufzählung ist das Komma jedoch überflüssig.

Den Rasen gieße ich, sowie die Sonne untergegangen ist.

Im Garten goss Josefine das Gemüse, die Obstbäume sowie den Rasen.

Das ist also meine Top 5 der häufigsten Kommafehler, die hoffentlich nützlich für Sie war. Bei Bedarf werde ich die Liste noch erweitern. Anregungen sind gerne willkommen!

 

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